Freitag, 3. Juni 2011

NEUSEELAND


Achtung! Gut merken und nicht nur so überfliegen, dies könnte die Antwort zum Sieg bei Günther Jauch sein: Neuseeland war das erste Land weltweit, das Frauen das Wahlrecht gab. Das war im Jahr 1893. Heute hat NZ rund 4,5 Mio. Einwohner und ca. 2,5 Mio. internationale Besucher jährlich (und sie sind trotzdem noch freundlich zu den Touristen). NZ ist größer als Großbritannien. Das ist auch der Grund, weshalb die vielen internationalen Besucher hierher reisen für 10 Tage und dann plötzlich feststellen: Huch, die Zeit ist irgendwie zu knapp. Ich möchte mich da nicht ausschließen, obwohl ich 4 Wochen hier verbringen durfte. Das ist gerade genug Zeit um an der Oberfläche zu kratzen (aber wirklich nur zu kratzen mit einem ganz kleinen stumpfen Gegenstand). 

NZ hat einen wohl verdienten Ruf der unbegrenzten Abenteuer. Man kann sich aus Flugzeugen und Hubschraubern stürzen und hoffen, dass sich der Schirm schon noch irgendwann öffnet. Man kann seine Füße an ein Gummiband binden und dann von einem hohen Gebäude springen, das vorher irgendjemand ausgesucht hat, weil er der Meinung war, dass das Dorf noch ein paar Touristen braucht (Bungy Jumping wurde übrigens hier erfunden). Man kann mit einem „Schnell wie der Blitz – Boot“ Stromschnellen und Wasserfälle hinab stürzen. Die Möglichkeiten der Adrenalin-Kicks scheinen kein Ende zu nehmen. Alles verhältnismäßig preisgünstig. Also ein Paradies für alle, die sowas schon immer mal machen wollten. Um gleich allen Fragen gerecht zu werden: Ich war voll langweilig.

Peter Jackson hat auch seinen Beitrag zu der internationalen Besucherzahl geleistet. Mit seiner „Herr der Ringe – Trilogie“ hat er viele Orte in mystische Stätten verwandelt, die man besucht haben muss. Die Orte muss man auf jeden Fall besuchen, aber aufgrund der Natur und nicht wegen der Zwergwesen (Entschuldigung an alle Fans).

Die Kiwis sind ein herzliches Völkchen. "Kiwi" ist kein böse gemeinter Spitzname, der ungern gehört wird, sondern wird auch von den Einheimischen verwendet. Seine Herkunft stammt allerdings nicht von der grünen Frucht, die es hier in Massen gibt, sondern vom Kiwi-Vogel. Und da ist schon der nächste Stolperstein. Der Kiwi ist zwar ein Vogel, kann aber nicht fliegen, weil er keine Flügel hat. Dafür aber riesige Krallen an langen Beinen und einen langen Schnabel. Da er nachtaktiv ist, bekommt man ihn nur mit sehr viel Glück oder im Zoo zu Gesicht.

Die Ureinwohner, die Maori, sind um 1200 aus Polynesien nach NZ gekommen. Die ersten Europäer erreichten das Land 1642 unter dem holländischen Kapitän Abel Tasman. Natürlich gibt es heute einen Abel Tasman Nationalpark, einer der zu Recht berühmtesten in NZ. Ab 1769 hatte dann mal wieder Kapitän James Cook seine Finger im Spiel. Gibt es eigentlich ein Land, bei dessen Entdeckung Mister Cook nicht dabei war? Soviel Ruhm kann doch ein Mensch gar nicht vertragen, oder?

Und hier nochmal ein Fakt für den Stuhl beim Günther: Sir Edmund Hillary war die erste Person, die den Mt. Everest bestiegen hat und … richtig! Er kam aus Neuseeland. Ich finde das immer interessant, was Leute als erstes zu ihrer eigenen Leistung sagen. Bei Mr. Hillary soll es wohl „Jetzt haben wir ihn geknackt, den Schurken“ gewesen sein.

Was bleibt nun noch, wenn man nicht wegen der Adrenalin-Schübe, der Trolle mit den Ringen (nochmal sorry an die Fans) oder der nicht flugfähigen Vögel dieses Land betritt? Sehr, sehr viel! Nämlich eine Landschaft, die Großes zu bieten hat. Und einfach nur deswegen, weil sie da ist. Ohne beeindrucken zu wollen, tut sie es trotzdem. Ohne Fallschirm und Gummiband, ohne Filmkulisse. Von schneebedeckten Bergen mit Gletschern über Vulkane (noch aktiv!), Geysire, Regenwald, Felsformationen, Strand mit schneeweißem und pechschwarzem Sand bis hin zu haushohen Sanddünen und postkarten-perfekten Küstenlandschaften. 

Das Wetter ist auf jeden Fall verlässlich im Unzuverlässigsein, also sehr unberechenbar. Das Gute ist: Egal wo man sich in NZ befindet, man ist nie weiter als 128km von der Küste entfernt. Das Wetter kann an der Westküste so schlecht sein, dass man an sein Leben mit „es war doch immer ganz schön“ denkt und dann flieht man schnell an die Ostküste und hat noch nie einen schöneren Strandtag gehabt. Zum Wetter hatten wir auch eine besonders hilfreiche Auskunft einer netten Mitarbeiterin in der Touristeninfo erhalten. Sie meinte: “Das Wetter soll die ganze nächste Woche schön sein!“ Wir freuten uns sehr. Dann fügte sie hinzu: „Es sei denn, es ändert sich.“

Und hier für alle Sportbegeisterten: es gibt ein „Küste-zu-Küste-Rennen“, das einmal im Jahr Mitte Februar stattfindet. Los geht’s in Kumara an der Westküste mit einem gemütlichen 3km-Lauf, gefolgt von 55km Fahrrad fahren, danach 33km Laufen über den Goat Pass (steil!), anschließend 15km Fahrrad fahren, zur Abwechslung 67km Kajak paddeln und zum Abschluss nochmal 70km Fahrrad fahren um dann im Ziel in Christchurch an der Ostküste anzukommen. Der Beste schafft das Ganze in einer Zeit unter 11 Stunden.

NZ teilt sich in eine Nord- und eine Südinsel, die Hauptstadt ist Wellington.

Hier ist mein Neuseeland in 52 Bildern. Viel Spaß!

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